Geschlechtsbestimmung


Die Geschlechtsbestimmung ist ein wichtiges Kapitel der Vogelspinnenthematik. Um Vogelspinnen züchten zu können, ist es wichtig, das Geschlecht frühzeitig bestimmen zu können.
Es gibt mehrere Methoden, die zwei sichersten sind:

- die "Klaas´sche Methode"
- die Untersuchung einer Exuvie


Die Klaasche Methode

Diese Methode wurde von Peter Klaas entwickelt, dem Autor des Buches "Vogelspinnen im Terrarium". Hierbei betrachtet man die Unterseite des Abdomens, genauer: die Region über der Epigastralfurche zwischen den beiden Fächerlungeneingängen.

Ist die Region völlig behaart, sehr dick und breit (von der Seite betrachtet sieht man deutlich eine Erhebung), so handelt es sich um ein Weibchen.

Ist die Region eher schmal, weniger dicht behaart, sind die Haare (ansatzweise) in einem Ring angeordnet (oft befindet sich inenrhalb dieses Ringes noch ein Punkt) und wölbt sich die Region nicht sonderlich aus der Umgebung heraus, so handelt es sich um ein Männchen.

Vorteil: leicht durchführbar, man muß nicht auf eine Häutung warten

Nachteil: nicht ganz zuverlässig, bei kleineren Tieren kaum etwas zu unterscheiden, die Spinne muß dabei von unten betrachtet werden können


Die Untersuchung einer Exuvie

Auch bei dieser Methode untersucht man die Region über der Epigastralfurche, nur diesmal von der anderen Seite. Ist die alte Abdominalhaut sehr hart, so muß sie erst durch Einlegen in Wasser oder Alkohol (Isopropanol) wieder weich und dehnbar gemacht werden. Ist die Haut noch sehr frisch, geht es auch so.
Die Haut wird auseinandergefaltet. Bei kleinen Exemplaren benötigt man ein Stereomikroskop, bei mittelgroßen eine gute Lupe, bei großen Exemplaren kann man die Untersuchung auch mit bloßem Auge durchführen.

Ist nun oberhalb der Epigastralfurche eine Spermathek auszumachen, so handelt es sich mit nahezu 100% Wahrscheinlichkeit um ein Weibchen. In der Spermathek speichert das Weibchen den Samen.
Es gibt zwei Grundformen: 1. ungeteilt, 2. geteilt in zwei Abschnitte, die wiederum geteilt sein können. Unterhalb der Spermathek ist deutlich eine Verdickung zu erkennen, die sogenannte "untere Lippe".

Ist keine Spermathek vorhanden, so ist die Region meist stark behaart, die "untere Lippe" fehlt.
Es handelt sich dann um ein Männchen.

Vorteil: große Sicherheit, mit etwas Übung (und den nötigen Mitteln) auch schon bei sehr kleinen Spinnen durchführbar

Nachteil: etwas kompliziert


Beispiele

Als Beispiel zeige ich hier die Untersuchung der Exuvien eines adulten Lasiodora parahybana Weibchens und eines subadulten Pamphobeteus fortis-Männchens.

Lasiodora parahybana Weibchen:

 
Hier ist eine sehr gut erhaltene Exuvie von Lasiodora parahybana zu sehen.
Die Abdominalhaut ließ sich auch ohne Hilfsmittel auseinanderfalten.
Gelb markiert ist der Bereich, der für die Untersuchung wichtig ist (auch oben nochmal zu sehen).


Hier nun eine Nahaufnahme dieses Bereichs. Gelb umrahmt ist die Spermathek.

Links ist eine Zeichnung zu sehen, die zum besseren Verständnis beitragen soll.
Die Spermathek vergleicht man mit den Abbildungen der Spermatheken seiner Art.
Zahlreiche Abbildungen sind z.B. im Buch von Günter Schmiedt zu finden.

 

Vergleich mit der Exuvie eines subadulten Brachipelma emilia Männchens:

Hier ist keine Spermathek zu erkennen, die Region ist stark behaart, es gibt keine "untere Lippe".
Bulbus auf den Tastern eines Männchens nach der Reifehäutung.
Hier sind die Häckchen auf dem ersten Beinpaar gut zu sehen.

 

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